Zukunft (Einzel-)Handel?

Am 15.05.2007 bei Bruns Herrenmoden Oldenburg

Dritte große Veranstaltung mit 100 Besuchern

gedankenplatz einzelhandel_brunsDer dritte gedankenPlatz Abend stand mit seinem Motto „Zukunft (Einzel-)Handel“ ganz im Zeichen des Konsumrausches. Die Innenstädte haben in den letzten Jahrzehnten viel ihrer ursprünglichen Vielfalt verloren. Die fortgesetzte Abwanderung von Einzelhandels-, Dienstleistungsbetrieben und Freizeiteinrichtungen „auf die grüne Wiese“ hat zu einer Situation geführt, die inzwischen von vielen als bedrohlich empfunden wird. Aber auch die Aspekte des häufig als einfach empfunden Online (Versand-)Handels und nicht zuletzt die demographische Entwicklung spielen eine große Rolle für die zukünftige Entwicklung des Handels.

Traditionshaus „Bruns Männermode“

Dem Thema angepasst, hat diesmal das Modehaus „Bruns Männermode“ in Oldenburg seine Räume für unsere Veranstaltung geöffnet. Die beiden Geschäftsführerinnen haben keine Mühen gescheut und für unsere knapp 100 Gäste eine tolle Veranstaltungsbühne im ersten Geschoß ihrer gerade neu renovierten Verkaufsräume geschaffen!

Außergewöhnliches Podium

Um 20 Uhr startete unsere von Anke Genius, NDR moderierte Podiumsdiskussion. Unsere Podiumsgäste:

  • Herrn Andreas Hoffmann, Geschäftsleiter Kemper´s Hamburg GmbH
  • Herrn Rolf Knetemann, Hauptgeschäftsführer der Einzelhandelverbandes Nordwest
  • Herrn Matthias Hunecke, 12sold GmbH, Oldenburg
  • Herrn Ralph Möller, Ikea Niederlassungsleiter Oldenburg

diskutierten offen über Pro und Kontra des Interneteinkaufs, des Verkaufs auf der grünen Wiese und der Innenstädte sowie den Einfluss, den die momentanen Entwicklungen auf den Einzelhandel in Innenstädten haben.

Interessante Aussagen

Nachfolgend einige sinngemäß wiedergegebene Aussagen der Podiumsteilnehmer und unserer Gäste zu den Punkten:

Ladenöffnungszeiten:

In Italien werden 60% der Wochenumsätze am Samstag und Sonntag generiert.

Das deutsche Verbraucherverhalten ist den langen Öffnungszeiten noch nicht angepasst. Abends stehen häufig Fernsehen und Familie auf der Agenda.

Längere Öffnungszeiten in der Innenstadt müssen einheitlich und verlässlich sein! Der Kunde wandert sonst leicht in die verlässlichen Center ab: „Da bekomme ich bis 20 Uhr auf jeden Fall alles“.

Aufgrund der in Deutschland vorhandenen Rahmenbedingungen, zum Beispiel mögliche Zuschläge bei Abend- und Wochenendarbeiten, ist die Durchsetzung der langen Ladenöffnungszeiten nicht so einfach, wie bei den europäischen Nachbarn.

Stadtbild:

Das Oldenburger Innenstadtbild ist nicht dublizierbar und hat großen Charme! Leider ist dies in den letzten Jahren aufgrund der anhaltenden Diskussionen scheinbar in Vergessenheit geraten und teilweise weggebrochen.

Warum nicht von anderen Städten Lernen – die guten Punkte adaptieren und die Fehler gar nicht erst machen?

Viele Kunden shoppen aufgrund der heutigen Mobilität in anderen (Groß-)Städten und projezieren ihre Erwartungshaltung auf unsere Innenstädte.

Oldenburg hat sehr gute Kundenfrequenzwerte im Innenstadtbereich. Spitzenreiter ist dort die Achternstraße.

Discounter/Factory Outlet/Grüne Wiese:

Wir haben momentan eine Discount und Geiz-ist-Geil Welle in Deutschland

Eine Ansiedlung von Factory Outlet Center ist bedenklich. Die Innenstadt muss gestärkt und nicht durch die Ansiedlung von innenstadtrelevanten Sortimenten auf der Grünen Wiese geschwächt werden.

Deutschland ist das Land mit den meisten Discountern

Gegen die Verödung in den Innenstädten ist Vorsorge zu treffen, das Thema muß nach oben auf die politische Agenda.

Erhebungen bei IKEA Osnabrück haben ergeben, dass gut 12% der Kunden mit ortsfremden Kennzeichen in die nahegelegende Innenstadt pendeln nach dem Einkauf. Bei geschätzten 1,8 Mio. Kunden in Oldenburg wären dies gut 180.000 Innenstadtbesucher pro Jahr.

Internet:

Das reale Einkaufsvergnügen können wir (noch) nicht bieten.

Shoppen ist rund um die Uhr 24 Stunden lang möglich, inklusive schneller Preisvergleiche, Kommentare und Bewertungen anderer Käufer.

Im Hinblick auf das Internet bzw. den Versandhandel wird es immer wichtiger für den stationären Handel bei den Kunden Begeisterung und Emotionen zu wecken.

Strategien:

Die Vielzahl der Akteure muß vernetzt werden. Die Akteuren sollten Kompromissbereit ein gemeinsames Konzept erstellen und umsetzen.

Das Stadtbild sollte strategischer gestaltet werden. Die Eigentümer und Immobilienvermieter in Innenstädten sollten weniger den kurzen Gewinn als vielmehr den strategischen Hauptnutzen im Auge behalten. Durch gemeinsame Strategien zur Vermietung und Ansiedlung von Händlern und Dienstleistern in einer Straße können die Immobilienwerte stabil gehalten werden bzw. sogar mittel- bis langfristig ansteigen.

Zwischen Ikea und der Oldenburger Innenstadt sollte ein Pendelverkehr eingerichtet werden.

Es ist wichtig Konzepte zu haben, diese konsequent und stringend umzusetzen und fortlaufend aufgrund von Kundenbeobachten und Markttendenzen zu überarbeiten.

Anschließend ging der Abend über in ein gemütliches Get-Together bei einem kleinem Imbiss und Getränken. Bis spät am Abend herrschte reger Austausch der Gäste mit den Referenten und untereinander.

Wir bedanken uns herzlich bei allen Gästen, den Podiumsteilnehmern, und unseren Gastgebern die durch ihr Erscheinen, Ihre Unterstützung, mit Ihren Ideen und Gedanken unsere Veranstaltung bereichert haben!