Der gedankenAustausch wurde am 7. Mai eingebuchtet

jav oldenburgWir waren am 7. Mai zu Besuch in der JVA-Oldenburg. Für fast 3 Stunden durften wir uns die Oldenburger Justizvollzugsanstalt anschauen – natürlich unter Aufsicht „autoritärer“ und kompetenter Beamten.

Leider konnten wir nicht alle Interessenten dieser Veranstaltung mitnehmen, weil die Besucherzahl aus verständlichen Gründen begrenzt war. Das möchten wir noch mal entschuldigen.

Nach einer gründlichen Durchsuchung betritt man eine andere Welt. Der erste Eindruck ist ganz anders als die Definition von „Knast“. Alles sehr sauber. Die Gänge mit selbstgemalten Bildern – wie in einer Schule. Der Gesetzgeber fordert im Vollzug eine Resozialisierung. In Oldenburg wird das sichtbar umgesetzt.

Nein, wir haben keine Gefangenen gesehen oder gesprochen – denn das verstößt gegen das Persönlichkeitsrecht. Aber man hat uns alle Unterkünfte, Werkstätten und Anlagen gezeigt. Auch eine Isolierzelle. Die Ebene für Schwerverbrecher durfte man uns nicht zeigen, dort haben auch nur wenige Mitarbeiter der JVA Zugang.

Die JVA Oldenburg ist zur Hälfte mit Untersuchungshäftlingen belegt. Das heißt, dass diese noch als „unschuldig“ gelten. „Und ein Uli Hoeneß?“, war dann in dieser Zeit eine unvermeidliche Frage. Antwort: „Ja, auch wir hatten ‚bekannte’ Bewohner, aber Herr Hoeneß wird hier nicht herkommen. Bei Steuervergehen sind die Zuständigkeiten anders.“

Es zeigt sich eine sehr deutlich zu sehende Disziplin. Die JVA entscheidet aber nicht selbst über die Haftbedingungen, das muss in Deutschland der Richter entscheiden. Die JVA setzt dann die Haftbedingungen um. Für die Führung der Gefangenen können bestimmte Teile der Haftbedingung aber modifiziert werden: Schließzeiten, Hofgang, Besuchszeiten, etc.

„Wie lang ist Lebenslänglich?“ Die gedankenPlatz-Mitglieder schätzen in der Mehrheit 15-Jahre. „Lebenslänglich ist Lebenslänglich“. Es gibt immer wieder eine Haftprüfung. Die kann aber vom Richter Beispielsweise nicht vor 17 Jahren angeordnet werden. So gibt es in deutschen Gefängnissen durchaus Gefangene, die über 25 Jahren in Haft sind und dies auch zu Recht. Aber nicht in Oldenburg.

„Was passiert, wenn ein Beamter gekidnappt wird?“ Ein Beamter hat nur die Schlüssel innerhalb des Hauses. Er hat keine Schlüssel außerhalb des Hauses. Es gibt auch überall Personen-Schleusen und andere Sicherheits-Hürden. Ich persönlich glaube, dass ein Ausbruch in Oldenburg nicht möglich ist.

Als wir dann wieder „draußen“ waren, fällt ein kleines „beklemmendes“ Gefühl von einem ab. Freiheit ist ein Grundrecht.