Große EWE-Arena – gedankenAustausch „on Tour“

eweAm 5. November 2013 waren wir mit dem gedankenAustausch wieder „on Tour“ Die neue große EWE Arena der Weser-Ems-Hallen stand auf dem Programm.

Knapp 30 interessierte Mitglieder und Gäste haben an der Führung durch die im April 2013 fertig gestellte Halle teilgenommen.

Um 18 Uhr wurden wir von Inga Bartels, Leitung der Weser-Ems-Hallen Veranstaltungsabteilung, im Foyer herzlich begrüßt und bekamen eine ausführliche und interessante Einführung.

Eines fiel sofort positiv auf: Der Besucher wird nicht von Werbemaßnahmen der Unterstützer erdrückt! In Absprache mit den Sponsoren wurde sich darauf geeinigt, die Farben der Logos einheitlich – angenehm zurückhaltend – zu gestalten.

Die erste Räumlichkeit, die uns gezeigt wurde, war der VIP Bereich. „Hier kann man es wohl aushalten.“ war ein Satz aus unserer Gruppe der in Erinnerung blieb. Und so war es auch. Edel und modern eingerichtet, steht der Raum auch für Feierlichkeiten außerhalb der regelmäßigen Veranstaltungen zur Verfügung.

Im Zuschauerbereich der Halle angekommen, wurden wir direkt in den Aufbau der Pferdetage hineingezogen. Mit einer Deckenhöhe von rund 13 Metern sind auch moderne Großveranstaltungen im Bereich Live-Musik kein Problem für die Unterbringung der Technik. Die Bestuhlung der Zuschauerplätze wird selbstbewusst als „Der Mercedes unter den Veranstaltungsstühlen“ vorgestellt.

Auf dem Weg in die Presseräume und die Umkleidekabinen – inklusive eines kleinen Abstechers in die EWE-Baskets Kabinen – trafen wir auf den Organisator der Pferdetage Dr. Funke. Ohne zu zögern, nahm er sich trotz Aufbauarbeiten die Zeit, uns mehr zum Projekt „Internationale Oldenburger Pferdetage“ zu berichten. So wurden zum Beispiel im Außenbereich für die Veranstaltung extra Leichtbauhallen aufgebaut um den Besuchern und Teilnehmern den größtmöglichen Komfort bieten zu können.

Zum Abschluss bot uns die Loge mit einem kleinem Buffet die Möglichkeit die Eindrücke zu verarbeiten und sich untereinander auszutauschen. Ein Fazit haben wir mitgenommen: Die neue EWE Arena ist eine große Bereicherung für Oldenburg und wird hoffentlich in Zukunft noch interessantere Veranstaltungen in die Region ziehen können.

Tierisch viel Spaß im Jaderberger Zoo

jaderberger zooWas für ein schöner Zoo ist das geworden! Wer sich noch daran erinnern kann, welch einen trostlosen, ja deprimierenden Eindruck insbesondere die Großkatzengehege des Jaderberger Zoos noch in den 80er-Jahren beim Besucher hinterließen, der glaubt bei einem neuerlichen Besuch des Tier- und Freizeitparks, er sei in einem anderen Film. Großzügige, helle Gehege mit viel Platz zum Auslaufen – da macht es kaum etwas, dass die zwei Löwinnen und deren fein von ihnen getrennt untergebrachte Löwe die rund 20 Gäste beim jüngsten „Gedankenaustausch on tour“ schon mal von Herzen anbrüllen.

Auch die Freigehege können sich sehen lassen. Zugegeben – der Tierbestand ist etwas abgespeckt worden, seit die Brüder Horst und Andreas Ludewigt aus Oldenburg die Anlage im Jahr 1995 übernommen haben. Und man spürt sofort, woher der neueWind weht. Die Ludewigts sind von Hause aus Schausteller. Folgerichtig bauten sie (und bauen noch) den Freizeitbereich des Jaderparks gewaltig aus – eine Attraktion, die vor allem die Kinder zu schätzen wissen. „Kinder interessieren sich mehr für diesen Bereich des Parks, die Tiere sind für die Erwachsenen attraktiver“, sagt Horst Ludewigt („Ich bin der Horst“) beim Rundgang durch das weitläufige zwölf Hektar umfassende Gelände, das noch keineswegs am Ende seiner Kapazität angelangt ist.

GP Zoo Bild 004Was viele nicht wissen: Der Tier- und Freizeitpark ist auch in den Wintermonaten geöffnet. Das Wetter spielt keine Rolle, sagt Ludewigt. Fünf sogenannte Warmhäuser (Tropenhaus, Südamerikahaus, Giraffenhaus, Tapirhaus und Exotarium) sorgen dafür, dass den Besuchern Sturm und Regen nichts anhaben können. Für die kleinsten Besucher gibt es seit acht Jahren zudem eine Spielscheune, in der auch die großen Besucher eine Pause einlegen und sich mit Speisen und Getränken versorgen lassen können.

Die Gedankenplatzler hatten ihren Spaß und zeigten sich beeindruckt, zumal diemeisten von ihnen das letzte Mal vor Jahrzehnten den Weg nach Jaderberg gefundenhatten. Das soll sich nun ändern…

Der gedankenAustausch wurde am 7. Mai eingebuchtet

jav oldenburgWir waren am 7. Mai zu Besuch in der JVA-Oldenburg. Für fast 3 Stunden durften wir uns die Oldenburger Justizvollzugsanstalt anschauen – natürlich unter Aufsicht „autoritärer“ und kompetenter Beamten.

Leider konnten wir nicht alle Interessenten dieser Veranstaltung mitnehmen, weil die Besucherzahl aus verständlichen Gründen begrenzt war. Das möchten wir noch mal entschuldigen.

Nach einer gründlichen Durchsuchung betritt man eine andere Welt. Der erste Eindruck ist ganz anders als die Definition von „Knast“. Alles sehr sauber. Die Gänge mit selbstgemalten Bildern – wie in einer Schule. Der Gesetzgeber fordert im Vollzug eine Resozialisierung. In Oldenburg wird das sichtbar umgesetzt.

Nein, wir haben keine Gefangenen gesehen oder gesprochen – denn das verstößt gegen das Persönlichkeitsrecht. Aber man hat uns alle Unterkünfte, Werkstätten und Anlagen gezeigt. Auch eine Isolierzelle. Die Ebene für Schwerverbrecher durfte man uns nicht zeigen, dort haben auch nur wenige Mitarbeiter der JVA Zugang.

Die JVA Oldenburg ist zur Hälfte mit Untersuchungshäftlingen belegt. Das heißt, dass diese noch als „unschuldig“ gelten. „Und ein Uli Hoeneß?“, war dann in dieser Zeit eine unvermeidliche Frage. Antwort: „Ja, auch wir hatten ‚bekannte’ Bewohner, aber Herr Hoeneß wird hier nicht herkommen. Bei Steuervergehen sind die Zuständigkeiten anders.“

Es zeigt sich eine sehr deutlich zu sehende Disziplin. Die JVA entscheidet aber nicht selbst über die Haftbedingungen, das muss in Deutschland der Richter entscheiden. Die JVA setzt dann die Haftbedingungen um. Für die Führung der Gefangenen können bestimmte Teile der Haftbedingung aber modifiziert werden: Schließzeiten, Hofgang, Besuchszeiten, etc.

„Wie lang ist Lebenslänglich?“ Die gedankenPlatz-Mitglieder schätzen in der Mehrheit 15-Jahre. „Lebenslänglich ist Lebenslänglich“. Es gibt immer wieder eine Haftprüfung. Die kann aber vom Richter Beispielsweise nicht vor 17 Jahren angeordnet werden. So gibt es in deutschen Gefängnissen durchaus Gefangene, die über 25 Jahren in Haft sind und dies auch zu Recht. Aber nicht in Oldenburg.

„Was passiert, wenn ein Beamter gekidnappt wird?“ Ein Beamter hat nur die Schlüssel innerhalb des Hauses. Er hat keine Schlüssel außerhalb des Hauses. Es gibt auch überall Personen-Schleusen und andere Sicherheits-Hürden. Ich persönlich glaube, dass ein Ausbruch in Oldenburg nicht möglich ist.

Als wir dann wieder „draußen“ waren, fällt ein kleines „beklemmendes“ Gefühl von einem ab. Freiheit ist ein Grundrecht.

Grandioser Theaterabend am 5. März 2013

theater oldenburgIns Theater gehen wir alle als Zuschauer immer mal wieder. Aber einen Blick hinter die Kulissen, wie wir ihn am Dienstagabend werfen durften, bekommt man nicht alle Tage geboten. Phantastisch, was Generalintendant Markus Müller den 21 Gästen beim „gedankenaustausch on tour“ in den rund zwei Stunden während des Rundgangs durch das wunderschöne Oldenburgische Staatstheater zu bieten hatte.

Bühne, Technik, Werkstätten, und wie das alles minutiös ineinandergreifen muss, bis die Premiere nach wochenlanger harter Probenarbeit schließlich perfekt über die Bühne gehen kann – Markus Müller weiß das spannend zu berichten und zu zeigen und lässt sich auch nicht aus der Ruhe bringen, wenn wie eine Geisterstimme der Inspizient durchs Hausmikrofon zum Freimachen der Bühne für eine Probe auffordert. Erstaunlich, was Müller – der vor sechseinhalb Jahren die Oldenburger Intendanz antrat und im Sommer 2014 Oldenburg leider in Richtung Mainz verlässt – alles weiß. Wirklich alles bis zum letzten Handgriff in seinem Theaterbetrieb kann er locker erklären. Und wenn zwischendurch mal einer seiner 438 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen auftaucht, redet er ihn oder sie natürlich mit Namen an. Er kennt sie alle.

„Das Theater ist eine große Familie“, sagt der junge, gerade mal 39 Jahre alte Chef des Hauses. Leidenschaft und Idealismus sind die unabdingbaren Voraussetzungen, wenn jemand sich für den Beruf des Schauspielers entscheidet. Viel Geld verdient er im Normalfall nicht. Bescheidene 1600 Euro stehen auf dem Gagenzettel des Berufsanfängers. Die 70-Stunden-Woche ist nichts Außergewöhnliches. Überstunden? Gibt es nicht. Der „zusätzliche“ Lohn der Arbeit zahlt sich im Beifall des Publikums aus. „Das motiviert den Theatermenschen und macht ihn glücklich“, sagt Müller und berichtet folgerichtig, dass der Zufriedenheitsgrad der Theaterberufler einer Untersuchung zufolge überdurchschnittlich hoch ist.

Die Gedankenplatzgäste erlebten einen tollen Abend!

Ebenfalls toll: Wir durften als neue Mitglieder Reinhold Sicking und seine Gattin Sabine Aniol, Tim Stelter und Anja König sowie als neues Fördermitglied Bernd Titgemeyer willkommen heißen. Schön, dass Ihr bei uns seid!

Erfolgsformel der Region Oldenburger Münsterland

Warum ist die Region so erfolgreich?!

Das Oldenburger Münsterland gilt als Boom-Region, wie sie es anderswo in Deutschland kaum gibt. Tierzucht, Agrartechnik und Lebensmittelproduktion haben in den vergangenen Jahrzehnten einen Aufschwung produziert, der seinesgleichen sucht. Die Region ist längst das Zentrum der deutschen Nahrungsmittel- und Agrarindustrie.

Warum das so ist und welche wirtschaftlichen und soziokulturellen Hintergründe in den katholisch geprägten Landkreisen Cloppenburg und Vechta mit ihren rund 300.000 Einwohnern bestehen, möchte der Oldenburger Verein gedankenPlatz e.V. in einer Podiumsdiskussion unter dem Titel „Oldenburger Münsterland – warum ist die Region so erfolgreich?!“ am Donnerstag, 22. März untersuchen.

Auf dem Podium werden Vertreter erwartet:

  • der Universität, Präsidentin Prof. Dr. Marianne Assenmacher
  • der lokalen Politik, BM Vechta Helmut Gels
  • der Kirche, Peter Kossen, Prälat und Vertreter des Offizials
  • der Industrie, Big Dutchman, GF Magnus Westerkamp
  • Die Veranstaltung wird moderiert von Andreas Kathe, Redaktionsleiter, Oldenburgische Volkszeitung Druckerei und Verlag KG

Dabei soll unter anderem zur Sprache kommen:

  • warum es zu dem wirtschaftlichen Aufschwung kam,
  • welche Umstände es möglich machten, dass so gut wie Vollbeschäftigung herrscht,
  • warum die Menschen einen außerordentlich engen Zusammenhalt pflegen
  • und wie die Aussichten für die Zukunft zu beurteilen sind.

Macht uns Essen krank?

gedankenPlatz Veranstaltung vom 24. November 2011

essen_gedankenplatzNiedersachsen ist in der Bundesrepublik Deutschland der Agrarproduzent Nr. 1, der Lebensmittelgewinnung und -verarbeitung kommt ein hoher Stellenwert zu. Damit verbunden ist die Überwachung der Nahrungsmittelqualität eine wesentliche Aufgabe der Produzenten und der kontrollierenden Behörden, wie man auch dem kürzlich veröffentlichten Verbraucherschutzbericht 2010 entnehmen kann.

Die immer wieder präsentierten Darstellungen in den Medien lassen beim Verbraucher allerdings die Frage aufkommen: „Macht uns unser Essen krank?“ Inwiefern führen Nahrungsmittelinhaltsstoffe und Ernährungsgewohnheiten zu gesundheitlichen Störungen, sogar bis hin zu Krebs, Alzheimer, Parkinson und Diabetes? Welche Konsequenzen ergeben sich für die Unternehmen, die Politik aber auch den Verbraucher? Für uns ein Anlass am 24. November 2011 ins Pressehaus der NWZ einzuladen.

Unter dem Motto: „Ernährung und Gesundheit – Macht uns unser Essen krank?!“ sprachen in unserer Podiumsdiskussion nachfolgende Experten über Lebensmittelsicherheit und den Einfluss von Nahrungsmitteln auf die Gesundheit:

  • Dr.med. Thomas Ellrott – Institut für Ernährungspsychologie
  • Scott Haslett – Slow Food
  • Prof. Dr. Eberhard Haunhorst – LAVES
  • Christian Kircher – Clustermanagement Food Nordwest
  • Robert Witte – Landwirt in Südoldenburg
  • Dr. Gerd Pommer – Moderation

Dass die Lebensmittel in Deutschland sicher sind, darin waren sich eigentlich alle einig. Was allerdings die Qualität betrifft, gab es Meinungsverschiedenheiten.

Auch wurde in der anschließenden offenen Diskussion, mit den gut 100 Teilnehmern des Abends schnell klar, dass in Deutschland ist das Bewusstsein, für gutes Essen auch gut zu zahlen, nicht sehr verbreitet ist.

Ebenfalls ist es nicht leicht für den Endverbraucher Lebensmittelqualität „auf den ersten Blick“ zu bestimmen, hier sollte einiges durch Transparenz vereinfacht werden.

Bildung 2.0 – Bachelor + Master Abschlüsse und ihre Bedeutung für die Wirtschaft

Am 19.04.2010 in der „EWE-Alten Fleiwa“ am Escherweg im Oldenburger IT-Quartier

Der Boom der Bachelor- und Masterstudiengänge an deutschen Hochschulen ist ungebrochen. Bis 2010 soll die durch den „Bologna-Prozess“ ausgelöste Umstellung auf die internationalen Abschlüsse flächendeckend sein. Die neuen Studiengänge versprechen eine flexiblere Studiengestaltung und eine bessere Beschäftigungsfähigkeit ihrer Absolventen im In- und Ausland.

Werden sie diesem Anspruch gerecht? Decken sich die vermittelten Kompetenzen und Qualifikationen mit den Erwartungen der Wirtschaft? Die Studenten klagen aktuell vor allem über vollgepackte Lehrpläne, zu viele Prüfungen und permanente Anwesenheitspflicht – von Verschulung ist die Rede. Wünschen sich Unternehmen Mitarbeiter, die Tugenden mitbringen, für die im starren Korsett der neuen Studiengänge wenig Raum zu sein scheint? Kritikbereitschaft, die Fähigkeit zum selbständigen Handeln, den Willen, über die Grenzen des eigenen Fachs hinauszublicken?

Am 19. April 2010 führte der gedankenPlatz e.V. in dem schönen und gerade fertiggestellten Ambiente der „EWE-Alten Fleiwa“ am Escherweg im Oldenburger IT-Quartier eine Podiumsdiskussion zu diesem Thema durch. Auf dem Podium saßen an diesem Abend:

  • Lutz Stratmann, Minister für Wissenschaft und Kultur Niedersachsen
  • Prof. Dr. Joachim Treusch, Präsident der Jacobs University Bremen
  • Ulf Mindermann, Leiter Führungskräfteentwicklung EWE AG
  • Michael Wefers, Unternehmensberater, Vorstandsvorsitzender Universitätsgesellschaft Oldenburg
  • Moderiert wurde der Abend von Thomas Hellmold, Redakteur der NWZ.

Unsere Veranstaltung wurde einmal mehr von der Tagesaktualität eingeholt. Der eingeladene niedersächsische Wissenschaftsminister Lutz Stratmann hatte sein Amt zu diesem Zeitpunkt nur noch zwei Tage inne, da kurzfristig eine Kabinettsumbildung beschlossen wurde. Unser nun ehemaliger niedersächsischer Wissenschaftsminister Stratmann nahm jedoch trotz der für die Öffentlichkeit überraschenden Umbildungsmaßnahme an der Podiumsdiskussion teil und stellte sich den Fragen der Teilnehmer. Dafür bekam er von allen rund 150 Teilnehmern des gedankenPlatzes an diesem Abend einen besonders herzlichen, warmen Empfang.

Nachfolgend eine kleine Auswahl einiger sinngemäß wiedergegebener Aussagen unserer Podiumsteilnehmer:

Lutz Stratmann, Minister für Wissenschaft und Kultur Niedersachsen

Rückblick: Die Wirtschaft hat Mitte der 90er Jahre den Wunsch, dass sich die Studienzeiten verkürzen und der Fokus stärker auf Methodenlehre gelegt wird. Gut 11 bis 12 Jahre später hat sich gezeigt, dass das Problem der Bachelor Master Studiengänge sich weniger an Fachhochschulen, bzw. Hochschulen abspielt sondern an den Universitäten. Hier stellt sich die Frage, wie ein Studium organisiert werden soll, dass zum Einen über einen stark wissenschaftlich/grundlagenorientiert Ausbildungsinhalt verfügt (eine Anforderung die Universitäten primär von Fachhochschulen unterscheidet) und zum Anderen zugleich praxisnah und kurz ist.

Vielleicht dies eine typisch deutsche Diskussion? Zu perfekt? Andere Länder sind in der Umsetzung viel pragmatischer vorgegangen.

Entscheidendes Stichwort: Internationalität. Wir müssen uns vergegenwärtigen, dass wir uns im internationalen Wettbewerb befinden – dies gilt auch für jeden einzelnen Studenten.

Module und Studieninhalte sind teilweise noch so gestrickt, dass keine Vergleichbarkeit gegeben und damit kein fließender Übergang möglich ist.

Kritikpunkt Raphael: Es war von Anfang an möglich 8semestrige Bachelorgänge anzubieten – dennoch ist es kaum geschehen. Der Grund war ein banaler: Weil bis heute es eine breite Auffassung gibt, dass nur der Master der Abschluß ist, der etwas zählt. Das ist Quatsch. Wenn es aufgrund der Inhalte notwendig ist, sollten unbedingt 8 Semester angesetzt werden. Der Master kann dann auch bei 4 Semestern bleiben – muß nicht auf 2 Verkürzt werden.

7 oder 8 Semester durchzuführen: Diese Entscheidung ist oftmals eine Frage der Kapazitäten an den Universitäten.

Bologna war von Anfang an nicht für „umsonst“ zu haben. Bologna kostet Geld – oder führt zum Abbau von Kapazitäten.

Leuphana Universität: Durch die Fusion wurde alles neu aufgebaut – ca. 11.-12.000 Studenten gestartet – aktuell ca. 7000 Studenten. Führte zu Kritik – aber Qualität ist Maß der Dinge nicht Quantität.

Bis 2015 auf 10% des Bruttoinlandsprodukt für Bildung hochstocken.

Wir müssen uns vom quantitativen Ziel befreien 40% der Schulabschlüsse an die Studiengänge zu bekommen. Es muss nicht unser Ziel sein, jeden zum Abitur und Studium zu bekommen sondern unser Bildungssystem so durchlässig wie möglich zu machen, so dass jeder, auch Haupt- oder Realschüler, die Möglichkeit bekommt in seinem Leben zu studieren – wenn er möchte!

Vielleicht eines der wichtigsten Ziele in Deutschland in den nächsten Jahren : Wie schaffen wir es die Lehrbedingungen zu verbessern? Wissenschaftlich sind wir weltweit nach wie vor sehr gut aufgestellt. Ein Defizit haben wir in der Tat in der Lehre. Jetzt nach der Exzellenzinitative mit Fokus auf der Forschung – muss es jetzt eine Initiative geben, die ihr Augenmerk auch auf die Ausbildung legt. Nicht jeder exzellente Forscher ist auch ein exzellenter Lehrer. Es wird mit Sicherheit auch Lehrprofessuren geben die didaktische Vorkenntnisse erfordern – aktuell können sie in Deutschland ja Professor werden ohne eine didaktische Vorbildung zu haben.

Der Wechsel ins Ausland muss für Studenten leichter möglich werden, wir müssen von der Prüfungsmenge runterkommen. Ich glaube auch, dass die akademische Ausbildung in Deutschland immer auch davon geprägt wurde, dass ein Student seinen Horizont erweitern kann. Studierende müssen auch weiterhin die Möglichkeit haben, sich während des Studiums auch mit anderen Dingen beschäftigen zu können oder z. B. begleitend Philosophie zu studieren. Führungspersönlichkeiten in Deutschland sind oftmals Menschen, die sich während Ihres Studiums auch mit anderen Dingen beschäftigen konnten. Das das verloren geht macht mir Sorgen.

Ulf Mindermann, Leiter Führungskräfteentwicklung EWE AG

Wir haben die Situation, dass wir aktuell noch über zu wenig Erfahrung verfügen. Die Integration der bisher eingestellten Bachelor- und Masterstudenten ist bisher problemlos gelaufen. Auswirkungen auf die Karriereplanung der Absolventen ist noch nicht absehbar – vermutlich erst in ca. 5 Jahren zu beurteilen.

Studentische Kritik: Verschulung, keine Zeit für Praktika, keine Zeit für Auslandssemester: Dies kann ich aus meiner eigener Lehrtätigkeit bestätigen.

Aktuell „produzieren“ wir sehr einspurig ausgebildete Nachwuchsmanager – ein Problem, dass uns in ca. 10-15 Jahren erst direkt begegnen wird.

Die extreme Spezialisierung mit der wir es zu tun haben ist mehr als kontraproduktiv. Wir haben aktuell über 13.000 Studiengänge in Deutschland – dies ist sowohl für Unternehmen, als auch für Studierende unübersichtlich.

Als Unternehmen schauen wir bei Bewerbern nach der Gesamtpersönlichkeit – geprüft wird natürlich die Formalqualifikation aber gleich danach sehen wir uns die sonstigen Kompetenzen – die neben Fachkompetenzen für den Arbeitsplatz relevant sind – an.

Faktisch ist es aktuell so, dass es trotz aller Enge im Studienplan immer noch Menschen gibt, die persönliches Engagement paralell zum Studium hinbekommen.

Masterstudium berufsbegleitend? Diese Möglichkeit der Weiterentwicklung nehmen wir als Unternehmen sehr ernst. Wir betreuen diese Mitarbeiter enger und stecken mehr Personalentwicklungsressourcen hinein. Oft wird auch vom Unternehmen eine Finanzierung des Masterstudiums angeboten.

Plädoyer: Mut zur Langsamkeit um auch andere Eindrücke mitzunehmen und sich einer breiteren Ausbildung hingeben. Schließlich müssen wir bis zum Alter von 67 oder sogar 70 Jahren aktiv am Arbeitsleben teilnehmen.

Michael Wefers, Unternehmensberater, Vorstandsvorsitzender Universitätsgesellschaft Oldenburg

Ich bin sehr dafür, dass wir diese Reform durchgeführt haben. Aktuell sprechen wir ja auch über die Reform der Reformen. Wichtig ist es jetzt nachzubessern.

Nicht nur die deutsche Wirtschaft hat Anforderungen in den 90ern gestellt – auch Studenten wollten gerne frühzeitiger wissen, ob sie für das jeweilige(n) Fach/Arbeitsplatz geeignet sind und nicht erst zum Ende eines 10 semestrigen Studiums.

Wenn man eine Person als Personalverantwortlicher einstellt, gibt es seit Jahrzehnten zwei Kriterien: Kann die Person denken und was hat sie für eine Persönlichkeit.

Benötigt wird Wissen und Intelligenz – das Thema Wissen hat heute eine andere Bedeutung bekommen. Früher benötigte man gute Bücher zu Hause – wer es sich leisten konnte hatte dementsprechend Zugriff auf Wissen. Heute ist Wissen dank Suchmaschinen und Internet für alle verfügbar.

Den Fehler den wir gemacht haben ist, einen Diplomstudiengang an der Universität in sechs Semester zu pressen. Hier besteht der Nachbesserungsbedarf.

Für mich hat das Thema „Wie lange studiere ich?“ nichts mit Softskills zu tun. Engagement während des Studiums ist aussagekräftiger.

Ich möchte eine Chance der Reform betonen: Man kann heute berufsbegleitend seinen Master machen. Das war bisher zu keiner Zeit für alle Studenten so leicht, wie es heute ist.

Wir sollten uns in Deutschland darauf besinnen, dass wir eine wichtige Grundlage haben: Bildung. Bildung verbunden mit der eigenen Persönlichkeit sichert die Zukunft unseres Landes.

Prof. Dr. Joachim Treusch, Präsident der Jacobs University Bremen

Die Weltprobleme sind nicht mehr durch eine gute Fachausbildung zu bewältigen – es ist alles fächerübergreifend und muss auf internationaler Ebene betrachtet werden.

Das Betreuungsverhältnis an der Jacobsuniversität beträgt 1 zu 10.

Was bringt es ? In 3 Jahren bis zum Bachelor lernen die Studenten Softskills einer ganz anderen Art, weil sie in einem internationalen Schmelztiegel geformt werden.

Das Prinzip der privaten Jacobsuniversität ist natürlich nicht 1:1 übertragbar – alles hat seinen Preis.

Wir haben natürlich teilweise die Probleme nach der Reform nicht – dennoch kennen wir die aktuellen Probleme der Universitäten.

Wir hatten einfach Glück: Wir haben auf der grünen Wiese angefangen – mit jungen Professoren – und alles neu gestrickt.

Ich bin viele Jahre in Cambridge gewesen. Dort hat mich verblüfft, wieviele Themen an der Universität gar nicht gelehrt wurden, dafür aber lange Teepausen durchgeführt wurden. Um 8 Uhr morgens war noch keiner auf den Campus…dennoch – oder gerade deswegen? – hat Cambridge viele Nobelpreisträger herausgebracht. Wir müssen darauf vertrauen, dass weniger mehr sein kann, wenn man es richtig einfädelt.

Wir haben bei uns an der Universität eine spannende Korrelation: Je aktiver Studenten bei uns in Clubs sind – je mehr Sport sie treiben, Musik machen usw., desto besser werden die Noten – der Grund liegt im Austausch.

Die Studentenkneipe auf dem Campus wird erst ab 23h besucht – oftmals bleiben die Studenten bis 3h in der Kneipe – und sitzen dennoch um 8h wieder im Studium. Die Studenten haben offentlichlich Spaß dabei – daher das Engagement

Ein Kindergartenplatz kostet etwas – ein Studium nicht. Bremen spart an der falschen Stelle der Wertschöpfungskette.

Wir integrieren unsere Studenten ab dem 2 Semester ins Labor. Ergänzend dazu müssen sie 2 Semester wirtschaftliche Praxiserfahrung sammeln. Das erweitert den Horizont.

Bei uns machen nur 60% den Master im Anschluss – der Rest geht in die Wirtschaft. Von diesen 40% kommen oft 20% später zurück und machen Ihren Master nach.

Das Studium darf mich nicht davon abbringen lernbereit zu bleiben. Dass ganze Leben gibt mir die Chance dazuzulernen.

Statements und Hinweise von Studenten aus dem Publikum an das Podium in der anschließenden Diskussionsrunde

Die Reform war absolut notwendig

Ein 8semestriges Bacherlorstudium wäre gut um außeruniveritäres Engagement zu entwickeln.

Im Moment ist es eine Mogelpackung.

Statements und Hinweise von Professoren aus dem Publikum an das Podium in der anschließenden Diskussionsrunde

Ein BWL Studium ist gut machbar – auch mit einem engagierten Privatleben.

Als Hochschullehrer beneide ich natürlich die private Jacobsuniversität, diese Betreuungsverhältnisse sind natürlich traumhaft – so etwas wünscht sich jeder normale deutscher Hochschullehrer.

Ungefähr 90% unserer Bachelorabsolventen (Naturwissenschaften / Physik) gehen in den Master – nicht in den Beruf. Nach dem Master sofort einen Arbeitgeber gefunden und alle im Beschäftigungsverhältnis.

Man sollte sich nicht nur von der Wirtschaft abhängig machen, wenn man wissenschaftlicher ausbilden möchte

Das Wissen für Wissenschaftler wurde sehr radikal raus gekürzt

Um mit Humboldt zu sprechen: Freiheit der Forschung und Lehre ist momentan so nicht gegeben.

Weltwirtschaftskrise – Wie lange hält sie an?

Am 24. März 2009 in Oldenburg: Land in Sicht…

…könnte man zusammenfassend sagen, wenn man unsere gedankenPlatz-Podiumsdiskussion am 24. März 2009 verfolgt hat – was unsere gut 160 Gäste aus Wirtschaft, Finanzwesen, Wissenschaft und Poltik taten. Eingeladen hatten wir diesmal in den großen Oldenburger Schloßsaal – der ein hervorragendes Ambiente bot. Anknüpfend an unsere Veranstaltung von vor gut 1 Jahr – sie trug den Titel „Finanz- und Immobilienkrise in den USA –Auswirkungen für den Nordwesten?!“ – die damals als Fazit hatte: “ Ja – es wird eine Finanzmarktkrise geben, ob sie zu einer Wirtschaftskrise mutiert, ist noch nicht absehbar“ diskutierten unser fast identisches Experten-Podium den aktuellen Stand der Entwicklung, analysierte den Finanzmarkt und wagte Prognosen zur zukünftigen Wirtschaftsentwicklung. Auf dem Podium vertreten waren:

  • Dr. Christoph Bruns, Fondsmananger und Vorstand der LOYS AG
  • Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank
  • Carsten Klude, Chefvolkswirt der Hamburger Privatbank M.M. Warburg
  • Prof. Dr. Jörg Prokop, Juniorprofessur Finance and Banking, Universität Oldenburg

Bei Getränken und einem kleinen Imbiß blieb nach der Podiumsdiskussion wieder genügend Zeit zum Weiterdiskutieren und Knüpfen von Kontakten.

Eine detaillierte Zusammenfassung des Abends folgt in Kürze. Nur so viel sei an dieser Stelle schon gesagt: Ab Sommer 2009 erwarten die Experten eine stabilisierte Lage und sogar ein wieder eintretendes Wachstum des Marktes.

Tourismus und Wirtschaft: Chancen und Konflikte im Nordwesten

Am 4.02.2009 in Wilhelmshaven: 110 zufriedene Gäste

Die Atmosphäre war entspannt, die Diskussion intensiv: Der gedankenPlatz-Abend zum Thema „Tourismus und Wirtschaft: Chancen und Konflikte im Nordwesten“ darf als voller Erfolg verbucht werden. In der „Info-Box“ mit Blick auf den Wilhelmshavener Jade-Weser Port trafen sich 110 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Darunter Thomas Kroemer vom niedersächsischen Wirtschaftsministerium, der auch an der moderierten Podiumsdiskussion teilnahm. Hier erörterten die Teilnehmer die Frage, wie der Ausbau der Tourismuszahlen und die Förderung der maritimen Wirtschaft miteinander vereinbart werden kann. Anschließend nutzten alle Gäste das „get together“ – bei leckeren Snacks – zum weiteren Gedankenaustausch.

Finanz- und Immobilienkrise in USA – Auswirkungen im Nordwesten

„Finanz- und Immobilienkrise in den USA – Auswirkungen für den Nordwesten?!“, am Donnerstag, 21. Februar 2008

finanzmarktPremiere beim gedankenPlatz: Erstmalig fand ein Veranstaltungsabend in Bremen statt. Die neue Überseestadt bot den geeigneten Rahmen für unsere hochaktuelle Podiumsdiskussion zu den Auswirkungen der amerikanischen Finanz- und Immobilienkrise auf unsere Region.

Zum Erfolg trugen wie schon bei den vorangegangenen Veranstaltungen zahlreiche Helfer und Unterstützer bei. In Bremen setzten sich zusätzlich noch die Unternehmerverbände ASU und BJU für gedankenPlatz ein. Doch was ist schon ein gut geplante Veranstaltung wenn die Besucher fehlen? Daher freute es uns beonders, über 120 Teilnehmer und Teilnehmerinnen im Schuppen 2 am Bremer Europahafen begrüßen zu dürfen.

Teilnehmer der lebhaften und immer wieder kontroversen Diskussion unter der Moderation von Anke Genius (NDR) waren diesmal:

  • Dr. Christoph Bruns, Fondsmananger und Vorstand der LOYS AG
  • Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank
  • Prof. Dr. Rudolf Hickel, Institut für Arbeit und Wirtschaft (IAW), Universität Bremen
  • Prof. Dr. Jörg Prokop, Juniorprofessur Finance and Banking, Universität Oldenburg

Die Aussagen der Veranstaltung waren klar: Kredite werden auch im Nordwesten teurer und die Banken zögerlicher. Trotzdem war sich das Podium einig: Der Nordwesten hat dank zukunftsträchtiger Branchen wie Logistik oder Raumfahrt und dem Großprojekt Tiefwasserhafen in Wilhelmshaven gute Zukunftsaussichten. Nur wenige Branche wie Holz und Baustoffe bemerken eine Nachfrageschwäche, der Autobau werde möglicherweise folgen.

Nach der hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion wurde das Thema auch im Anschluss unter den Teilnehmer intensiv weiterdiskutiert. Gerade die Konsequenzen, die sich in einem mittelständischen Unternehmen aus der Krise ergeben, standen dabei im Mittelpunkt vieler Gespräche.

Nachfolgend eine kleine Auswahl einiger sinngemäß wiedergegebene Aussagen unserer Podiumsteilnehmer:

Prof. Dr. Jörg Prokop, Juniorprofessur Finance and Banking, Universität Oldenburg

  • Die Krise zeigt, dass wir in vielen Bereichen noch nicht so weit sind, wie wir eigentlich sein wollten. Mit Basel 2 sollte eigentlich der Rahmen geschaffen worden sein, der solche Verbriefungsstrukturen aufdecken soll.
  • Ende 2005 wurde von den deutschen Banken schon festgeschrieben, wie ein vernünftiges Risikomanagement und das interne Risikoreporting auszusehen hat.
  • Extreme Liquiditätsprobleme wie wir sie jetzt haben, werden in Basel 2 nicht adressiert.
  • Ergebnisse einer Umfrage bei internationalen Banken zeigen, dass die Vergabe von Krediten restriktiver geworden ist. Allerdings ist primär der Bereich der Fusion und Unternehmensübernahmen betroffen, hier verzeichnen wir eine deutliche Rücknahme der Kreditvergabe.
  • Beteiligungsgesellschaften haben im Moment ein Problem Kapital aufzutreiben.
  • Die Hausaufgaben, die wir aus dieser Finanzkrise ziehen sind: Die Produkte um die es geht, besser zu verstehen und besser zu vermitteln. Wir wußten teilweise gar nicht, wo die Risiken sind.

Prof. Dr. Rudolf Hickel, Institut für Arbeit und Wirtschaft (IAW), Universität Bremen

  • Was wir jetzt erleben ist eine globale Finanzmarktkrise.
  • Die Hedge Fonds und Finanzinvenstoren schauen nicht mehr nach der Wertschöpfung im Unternehmen sondern behandeln die Unternehmensteile als handelbare Assets.
  • Alles was Wertschöpfung ist, kommt von den Unternehmen und die Finanzmärkte müssen dem untergeordnet werden.
  • Ich war schon immer ein Kritiker des Verbriefungsgeschäftes.
  • Banken, die das reine Kundengeschäft nicht Ernst nehmen und glauben ebenso wie die Deutsche Bank 25 Prozent Eigenkapitalrendite nach Steuern zu machen, neigen dazu dramatischen Blödsinn zu betreiben. Irgendwo irgendwelche abstrusen Finanzierungsinstrument zu besorgen um auch solchen Profit zu machen.
  • Wir haben spezielle Probleme die ernst genommen werden müssen, aber keine Weltwirtschaftskrise. Das würde heißen, das wir im realen Produktionsbereich massive Einbrüche zu verzeichnen hätten. In Deutschland haben wir ein Wirtschaftswachstum von 2,5% real, wir rechnen weiterhin mit 1,5 Prozent – in diesem Rückgang spürt man zwar die Finanzkrise, jedoch ist dies keine Weltwirtschaftskrise im eigentlichen Sinne.
  • Regionale Unternehmen aus der Produktionswirtschaft, in Handel und im Dienstleistungsbereich, sind bereits von der Krise betroffen. Soweit Sie vor allem auf Kredite angewiesen sind, ist das Banken Kreditvergabeverhalten extrem restriktiver geworden. Es gibt Risikoaufschläge.
  • Gier hat es überall, schon immer, gegeben. Nur das die Gier jetzt andere Quellen bekommen hat, zum Beispiel durch Aktienoptionsgeschäfte für Manager.
  • Wir brauchen eine weltweit abgestimmte Währungspolitik.
  • Die Risikofaktoren der Finanzkrise werden uns ungefähr durchschnittlich über alle Branchen ein Prozent Wachstumsverlust kosten. Allerdings muss man alle Branchen einzeln durchgehen, Holzhandel und Automobilhandel sind sicherlich wesentliche nachhaltiger und schwerer betroffen.

Dr. Christian Bruns, Fondsmanager der Loys AG

  • Die Gefahr ist, dass die politische Führung die Krise, die zwar ernst ist, falsch begleitet.
  • Wir haben im Wesentlichen eine amerikanische Krise, die dort verschuldet wurde und auch von den Amerikanern gelöst werden muss.
  • Mal schauen, ob die Politik in unserem Land die Weitsicht und Klugheit hat sich blinden Aktionismus zu enthalten.
  • Es kommt darauf an, wie wir jetzt die Konsequenzen ziehen.
  • Ich bin ja selber Unternehmer und verwalte andere Leute Geld. Jeder der in Ruhe darüber nachdenkt erkennt natürlich auch – in der Krise liegt eine Chance.
  • Wenn man zuhört, kann man den Eindruck haben, dass wir über eine Weltwirtschaftskrise reden und deshalb etwas zornig sind, dass uns in Deutschland Dinge widerfahren, für die andere verantwortlich sind.
  • Ein Phänomen der Krise: Wir haben eine Wende in den Vereinigten Staaten. Das ausländische Institut, z. B. arabische und chinesische Investoren, einen Zutritt in den amerikanischen Wirtschaftsraum finden.
  • Es wird spannend zu beobachten sein, ob die Amerikaner diese Investitionen dauerhaft tolerieren.
  • Die Amerikaner sind in eine selbstverschuldete Schwäche geraten,
  • Unternehmen und Nationen, die besonders stark in die USA exportieren, werden darunter leiden müssen, in dem Zuge zum Beispiel China.
  • Wie lange die Krise dauern wird, ist derzeit nicht absehbar.
  • Die große Frage ist, wie sieht es mit den Auftragsbüchern aus? Was in Deutschland produziert wird ist in der Welt gut angesehen. Man kauft durchaus gerne in Deutschland ein. Wir haben eine eigene Währung, die sehr geschätzt wird. Aber die letzte Messe dieser Krise ist noch nicht gelesen.
  • Die Börse reagiert noch viel schneller als die Realwirtschaft auf die Finanzkrise. Gewisse amerikanische Aktien habe ich schon lange nicht mehr so günstig gesehen. Es gibt amerikanische Unternehmen, die wird es auch in 10 Jahren noch geben. Für Anleger ist die Chance in einer Krise wie dieser also viel größer.
  • Die Zinsen werden länger niedriger bleiben, als es ohne Krise zu erwarten gewesen wäre.

Folker Hellmeyer, Chefananalyst Bremer Landesbank Bremen

  • Wir haben eine Führungskrise der Eliten bei großen internationalen Unternehmen.
  • Die Volkswirtschaftliche Verantwortung wird geopfert auf dem Altar der kurzfristigen Rediteoptimierung.
  • Die ersten Anzeichen konnte man 2004 wahrnehmen. Eine Thematisierung stieß auf Unverständnis, Solange eine Marktidee gut läuft und profitabel ist, gilt man als Spielverderber, wenn man das Geschäftsmodell kritisch hinterfragt.
  • Es wurden Ninja Kredite von amerikanischen Banken vergeben in sechsstelliger Höhe, einzig mit dem Ziel diese Kredite gleich weiterzuverkaufen.
  • Die Banken haben global zu großen Teilen versagt, weil sie einfach kurzfristige Profitabilität vor ihre volkswirtschaftliche Verantwortung gestellt haben.
  • Es ist ein Problem das viele Investmentbanken Eigenkapitalrentabilität als primäres Ziel haben und dann ist ein Kunde nur noch ein Objekt.
  • Die US-Wirtschaft ist eine Asset-Driven-Economy. Eine Wirtschaft die von der Bewertung der Vermögensgegenstände abhängig ist.
  • Die Kreditkosten sind aufgrund der Krise gestiegen und damit natürlich auch die Einstandskosten für Unternehmen, dass hat natürlich eine dämpfende Wirkung auf die Wirtschaft.
  • Die derzeitige Finanzmarktkrise ist die größte Finanzkrise nach Ende des zweiten Weltkriegs hat bereits realwirtschaftliche Folgen in den USA und bekommt globale realwirtschaftliche Folgen, die sich jetzt erst entwickeln. Es ist eine Krise, die aus dem Zentrum unseres Finanzwesen kommt – jetzt stabilisiert die Peripherie das Zentrum.
  • Der gesamte Nordwesten ist in den klassischen Wachstumsmärkten der Zukunft gut aufgestellt. Es kommt eine Eintrübung im Wachstum.
  • Die globale Finanzkrise wird uns 2008 durchgängig und bis Mitte 2009 oder noch länger beschäftigen, denn es handelt sich um Krebs im Finanzsystem und sie bekommen Krebs nicht mit Aspirin weg. Sie benötigen sehr viel Zeit um den Bereinigungsprozess durchzuführen.
  • Die Finanzkrise muss im Auge behalten werden, sie ist virulent